Predatory Publishing A-Z

Predatory Publishers – im Deutschen auch manchmal als Raubverlage bezeichnet – nutzen ein betrügerisches Geschäftsmodell: Sie bieten die Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel in ihren Zeitschriften, sogenannten Predatory Journals, gegen eine Gebühr an, ohne die übliche Qualitätskontrolle (u.a. durch Peer Review) sicherzustellen.

Eine genaue Definition solcher betrügerischen Verlage und Zeitschriften ist schwierig und es gibt keine eindeutige Checkliste, anhand der man betrügerische Absichten der Verlage nachweisen kann. Allerdings gibt es verschiedene Merkmale, die man zur Qualitätsbewertung einer Zeitschrift heranziehen kann.

Auf Twitter haben wir eine tolle Zusammenstellung solcher Merkmale von der Monash Health Library gefunden, die wir hier gerne weiterempfehlen möchten:

Ein Klick aufs Bild führt zur PDF-Datei der Monash Health Library.

Basierend darauf hat die Australische Agentur für Qualitätssicherung in der höheren Bildung ein zweites A-Z angefertigt. Die aufgeführten Elemente stimmen nur teilweise überein, sodass sich auch hier ein Blick in das Dokument lohnt.


Lesetipp: Der Open Access Atlas Deutschland

Unsere Kolleginnen aus dem Open-Access-Büro Berlin und dem Projekt open-access.network haben kürzlich die erste Version einer Broschüre zum Open Access Atlas Deutschland veröffentlicht, in dem die Rahmenbedingungen und Open-Access-Aktivitäten in den deutschen Bundesländern präsentiert werden. Bei der Lektüre wird deutlich, dass der Status Quo in den deutschen Bundesländern sich stark unterscheidet: manche Länder haben bereits eine dezidierte Open-Access-Strategie ausgearbeitet (z. B. Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein), andere benennen Open Access als Handlungsfeld innerhalb ihrer Digital- bzw. Digitalisierungsstrategien (z. B. Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz). Darüber hinaus wird Open Access in den verschiedenen Bundesländern durch unterschiedliche Maßnahmen unterstützt, z. B. landesweite Publikationsfonds oder Förderlinien (z. B. Bandenburg, Niedersachsen, Saarland, Thüringen) sowie Vernetzungsstellen (z. B. Brandenburg, Berlin, Schleswig-Holstein).

Für das Land Nordrhein-Westfalen wird die von der DH.NRW gegründete AG Openness vorgestellt, die derzeit eine Landesstrategie zur Förderung von Open Access ausarbeitet. Weitere genannte Aktivitäten sind die Landesinitiative openaccess.nrw und die Initiative Digital Peer Publishing (DiPP) des hbz, deren Inhalte im Rahmen der Landesinitiative auf eine OJS-Plattform überführt werden, sowie das Projekt NOAH.nrw (Nachweis von Open-Access-Inhalten an Hochschulen in NRW).

Bei der Broschüre handelt es sich um ein „living document“, in dem die enthaltenen Texte permanent angepasst und aktualisiert werden können.

Neues Positionspapier der DFG zum wissenschaftlichen Publizieren als Grundlage und Gestaltungsfeld der Wissenschaftsbewertung

Im ersten Teil des neuen Positionspapiers der DFG „Wissenschaftliches Publizieren als Grundlage und Gestaltungsfeld der Wissenschaftsbewertung“ werden zunächst die beiden Grundfunktionen des wissenschaftlichen Publizierens dargestellt: die Veröffentlichung und Verbreitung von Forschungsergebnissen sowie die Zuordnung der Ergebnisse zu einer Person („Zuschreibung von Urheberschaft“). Innerhalb der verschiedenen Fachdisziplinen existieren ein breites Spektrum an Publikationsformaten und -kulturen sowie verschiedene Varianten der Qualitätsprüfung.

Im zweiten Teil des Papiers werden die derzeitigen Herausforderungen für das wissenschaftliche Publizieren präsentiert:

  • Aufgrund der kontinuierlich wachsenden Publikationszahlen sinkt die Wahrnehmbarkeit einzelner Veröffentlichungen. Recherchedatenbanken helfen zwar bei der Eingrenzung und Sortierung von Suchergebnissen, allerdings sind sie größtenteils noch immer auf bestimmte Publikationsformate begrenzt und liefern damit immer nur einen Ausschnitt aus der tatsächlichen Menge an Veröffentlichungen.
  • Ein großer Teil der wissenschaftlichen Publikationen weltweit konzentriert sich auf nur 5 Verlagsgruppen, die aufgrund der Monopolisierungstendenzen entsprechend viel Macht auf die Preispolitik und Geschäftsmodelle im wissenschaftlichen Publikationswesen ausüben können. Darüber hinaus erschließen diese Verlage neue Geschäftsmodelle, z. B. im Bereich der Analyse von Daten über Nutzer:innen.
  • Beim Predatory Publishing ermöglichen unseriöse Anbieter gegen Gebühren das Publizieren in Zeitschriften, die nicht den Mindestansprüchen an das wissenschaftliche Publizieren entsprechen. Layout und Titel dieser Zeitschriften weisen häufig eine Ähnlichkeit mit bekannten und renommierten Zeitschriften auf, um Forschende zu täuschen.
  • Peer Review, eine Qualitätsprüfung durch Fachkolleg:innen, ist beim wissenschaftlichen Publizieren von großer Bedeutung. An die Gutachter:innen werden dabei immer höhere Anforderungen gestellt. Die steigende Anzahl an wissenschaftlichen Publikationen und der zeitliche Druck von Seiten der Verlage führen zu einer erhöhten Belastung für einzelne Gutachter:innen. Darüber hinaus werden Forschungsprojekte immer komplexer und interdisziplinärer und damit auch schwieriger zu begutachten. Vor dem Hintergrund des breiten Spektrums an Publikationsformen sollten alternative Möglichkeiten der Peer-Beteiligung und Qualitätsprüfung entwickelt werden.
  • Publikationszahlen und -metriken (insbesondere der Journal Impact Factor) werden häufig als Bewertungsgrundlage für wissenschaftliche Qualität herangezogen. Eine Orientierung an Metriken entspricht nicht den eigentlichen Zielen des wissenschaftlichen Publizierens, hat aber starke Auswirkungen auf das Publikationsverhalten zur Folge. Die Qualität einer wissenschaftlichen Veröffentlichung ist jedoch nicht an bestimmte Publikationsorte gebunden. Als Gegenmodell empfiehlt die DFG eine inhaltsorientierte Wissenschaftsbewertung.

Der dritte Teil des Positionspapiers richtet sich mit konkreten Aufgaben direkt an Wissenschaftler:innen und Geldgeber:

Wissenschaftler:innen sollten Publikationsorte nicht nach dem Renommee eines Verlags oder einer Zeitschrift auswählen. Wichtiger ist hingegen, dass die relevanten Zielgruppen optimal erreicht werden. Darüber hinaus sollten Publikationen und die dazugehörigen Daten möglichst unbeschränkt, bevorzugt im Rahmen einer Open-Access-Publikation, mit persistenten Identifiern versehen zur Verfügung gestellt werden. Forschende sollten dabei stets die Hoheit über ihre eigenen Daten behalten. Peer Review muss als solcher sichtbar gemacht werden und neue, alternative Formen Qualitätssicherung und Qualitätsbewertung etabliert werden. Zuletzt fordert die DFG Wissenschaftler:innen dazu auf, die Reputation eines Forschenden innerhalb des Wissenschaftssystem nicht auf der Grundlage von bibliometrischen Indices zu bemessen. Stattdessen werden andere Bewertungsgrundlagen vorgeschlagen, wie z. B. Beiträge für die wissenschaftliche Community in Form von Leitlinien, Ausbildungsstrukturen für den wissenschaftlichen Nachwuchs oder der Übernahme von Verantwortung in Aufgaben in Verbünden und Gremien.

Aufgabe der Geldgeber ist es nach Ansicht der DFG, das Spektrum akzeptierter Publikationsformate zu erweitern. Bestimmte Publikationsformate und -orte sollten nicht nur deshalb von Forschenden bevorzugt werden, weil sie einen Vorteil bei Begutachtungen oder Evaluationen versprechen. Damit setzen die Geldgeber den Wissenschaftler:innen falsche Anreize. Anstelle sich auf standardisierte Formen oder Kennzahlen zu stützen, sollte die Bewertung von Wissenschaft an Hand von inhaltlichen Kriterien durchgeführt werden. Darüber hinaus wird von den Geldgebern gefordert, auch die Rezipienten wissenschaftlicher Literatur im Blick zu behalten. Hier sieht sich die DFG als gutes Beispiel, da sie den Aufbau von Publikationsinfrastrukturen und unabhängigen Recherchetools fördert.

Lesetipp: Rückblick der TIB auf ihre Open-Access-Aktivitäten 2019

Die Technische Informationsbibliothek (TIB) in Hannover blickt in einem neuen Blogbeitrag auf ihre zahlreichen Aktivitäten im Bereich Open Access des letzten Jahres zurück – unter anderem führte sie gemeinsam mit der Leibniz Universität Hannover und der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek die Open-Access-Tage durch. 2020 finden diese übrigens in Bielefeld statt und werden von der Universitätsbibliothek Bielefeld und der Hochschulbibliothek der FH Bielefeld durchgeführt.